Wir haben das Hormon PMSG bewusst in unseren Bioschwein Austria-Richtlinien verboten. Wir lassen das auch von der Biokontrolle überprüfen. Aber was ist PMSG eigentlich?
Hormone sind in Bio verboten
In der biologischen Tierzucht darf „die Fortpflanzung […] außer im Rahmen einer therapeutischen tierärztlichen Behandlung eines einzelnen Tieres nicht durch die Behandlung mit Hormonen oder anderen Stoffen mit ähnlicher Wirkung eingeleitet oder behindert werden“.1 Hormone zur Einleitung oder Synchronisation der Brunst sind also in Biobetrieben generell verboten.
PMSG von „Blutfarmen“
Das „Stutenhormon“ PMSG („Pregnant Mare Serum Gonadotropin“) ist aufgrund der Herstellung besonders schrecklich. Es wird aus dem Blut trächtiger Stuten gewonnen, das den halbwild gehaltenen Tieren in großen Mengen abgezapft wird. Die deutsche Tierschutzorganisation „Animal Welfare Foundation e.V.“ hat schon im Jahr 2015 schreckliche Zustände auf sogenannten „Blutfarmen“ in Uruguay und Argentinien aufgedeckt. Aber auch die Stutenblut-„Gewinnung“ in Island, die nun als europäische Alternative gilt, ist mehr als bedenklich und mittlerweile auch rechtlich umstritten.
Keine Stutenquälerei für Bioschweine
Obwohl es laut EU-Bio-Verordnung also sowieso verboten ist, machen wir in unseren Richtlinien deutlich, dass wir die tierquälerischen Praktiken beim Abzapfen des Stutenblutes ablehnen. Hormonelle Brunstsynchronisation ist in Biobetrieben nicht notwendig, denn abgesetzte Bio-Zuchtsauen werden ja nicht fixiert und können ihre Rausche damit gut zeigen. Trotzdem ist es uns wichtig, bei diesem Thema Flagge zu zeigen!
Leider gibt es in unserem Kontrollbogen zur Frage nach dem PSMG-Einsatz immer wieder Missverständnisse. Bitte melde dich bei Unklarheiten zu einzelnen Arzneimitteln beim Bioschweine Gesundheitstelefon!
PSMG aber in der EU erlaubt
In konventionellen Zuchtsauen-Ställen wird PMSG zur Brunstsynchronisation eingesetzt. Über den Umfang kann nur spekuliert werden und medial wird das Thema nicht aufgegriffen. Mit dem Hormon können jedenfalls Management- und Fütterungsfehler überdeckt und Ferkelzahlen (noch) weiter erhöht werden. Tierschutzorganisationen kritisieren deswegen, dass es sich bei PMSG nicht um „Tierarzneimittel“ handelt, da sie keine Krankheiten heilen, sondern dass es sich um Hormone zur Gewinnmaximierung handelt.
Die Schweiz hat – im Gegensatz zur EU – auf die Veröffentlichungen reagiert. Im Mai 2022 wurde eine Branchenlösung vereinbart, mit der mehr als 90 % der Schweizer Ferkelerzeugungsbetriebe auf das Hormon PMSG verzichten. Das wird für das „QM Schweizer Fleisch“ seit 2023 auch kontrolliert.
1…EU-Bio-Verordnung 2018/848, Anhang II, Teil II; Punkt 1.3.1 b) und 1.5.1.4 sowie 3.1.2.2

