Sowohl Steinbrand (Tilletia caries) als auch Zwergsteinbrand (Tilletia controversa) sind Pilzerkrankungen und kommen über mit Sporen belastetes Saatgut auf den Betrieb bzw. vermehren sich durch Nachbausaatgut. Es gibt verschiedene Strategien, um im Biolandbau Steinbrand zu bekämpfen bzw. zu vermeiden. Informationen dazu findest du zum Beispiel in der BioNet-Broschüre „Auf dem Weg zum steinbrandfreien Bio-Ackerbau“ oder auf der Homepage der AGES.
Als Schweinefuttermittel geeignet?
Sollte am eigenen Acker Steinbrand aufgetreten sein oder man „brandigen“ Weizen oder Dinkel angeboten bekommt, stellt sich die Frage nach der Fütterungseignung. Ganz wichtig ist auf jeden Fall eine mehrmalige, scharfe Reinigung des Getreides mit einem Windsichter, wobei einige Betriebe gute Erfahrungen gemacht haben mit einem sogenannten „Rowinator“ (Auskunft Hannes Priller, LK OÖ). Auch das Waschen des Getreides vermindert die Sporenanzahl deutlich und ist preislich erschwinglich.
Wieviel Steinbrand „vertragen“ Schweine?
Klar ist, dass mit Steinbrandsporen belastetes Futtergetreide für Schweine nicht optimal ist. Ab wann gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten, lässt sich aber schwer sagen. Es gibt bisher sehr wenige Fütterungsversuche dazu, denn im konventionellen Ackerbau spielt aufgrund der üblichen Saatgutbeizungen dieser Pilz keine Rolle. Laut Literatur sind bei der Verfütterung von Steinbrand bzw. Zwergsteinbrand Vergiftungserscheinungen möglich. Es kann zu leichten Reizungen der Darmschleimhaut, Lähmungen des Schlingzentrums, geringerer Futteraufnahme, Geifern, Durchfall oder auch Verwerfen kommen.
In Untersuchungen mit Mastschweinen ergaben sich bei der Verfütterung von befallenem Weizen (0,5 bis 0,9 % Steinbrand, das entspricht 50-90.000 Sporen/Korn) eine verlängerte Mastzeit (9-12 %) und ein erhöhter Futterverbrauch (11-13 %). Zum Vergleich: Andere Untersuchungen an Aufzuchtferkeln fanden schon bei darunter liegenden Gehalten verringerte Tageszunahmen und nachweislich höheren Futteraufwand. Warum der Futteraufwand bei „brandigem“ Getreide steigt, obwohl keine Erkrankungszeichen an den Tieren zu finden waren, konnten die AutorInnen nicht erklären.
Wie kann man Steinbrandsporen feststellen?
„Brandigen“ Weizen oder Dinkel erkennt man je nach Befallsstärke am Geruch. Stark belastetes Getreide stinkt nach Fisch, weil dieser Pilz eine ähnliche Substanz erzeugt wie in Meeresfischen vorhanden ist. Ein so stark befallenes Getreide kommt als Schweinefuttermittel nicht in Frage! Mäßig belastetes Getreide riecht „muffig“, „dumpf“, „nach Keller“ – jedenfalls nicht nach frischem Getreide. In beiden Fällen sind solche Chargen so stark belastet, dass sie keinesfalls als Lebensmittel und schon gar nicht als Saatgut in Frage kommen. Als Futtermittel können sie sich aber eignen.
Als sehr grobe Einschätzung empfiehlt Hubert Stark, einen Arm bis zum Ellbogen in das betroffene Getreide zu stecken und dann zu beurteilen: Sieht man am Arm nun Verfärbungen (grau), sind zu viele Brandsporen im Getreide und dieses eignet sich nicht als Futtermittel. Bleibt er hell, ist es OK.
Sind Chargen nur gering bis mäßig befallen, ist eine Analyse im Labor der sicherste Weg, um Steinbrand zu erkennen und zu quantifizieren. Die AGES führt eine solche Untersuchung von Steinbrand mithilfe von Filtration und Mikroskopieren um etwa EUR 60,- durch (Stand 08/2025).
Wieviel % „brandigen“ Weizen in Schweinerationen?
Im Futtermittelgesetz steht, dass keine Futtermittel eingesetzt und in Verkehr gebracht werden dürfen, welche die Gesundheit von Menschen und Tieren beeinträchtigen können. Nachdem in den genannten Versuchen weder Organ- noch Blutwertveränderungen bei der Verfütterung von „Brandgetreide“ festgestellt wurden, die Tiere aber erhöhten Futteraufwand und geringere Tageszunahmen zeigten, ist die Verfütterung zwar erlaubt, aber eine Begrenzung in den Rationen auf jeden Fall notwendig.
Soweit sich aus den wenigen Ergebnissen ableiten lässt, kann Weizen oder Dinkel mit bis zu 1 % Steinbrand (=100.000 Sporen/Korn) in der Schweinemast eingesetzt werden. „Schwarze Bärte“ auf den Körnern weisen auf 30.000 Sporen/Korn oder mehr hin. Die Mastration ist jedenfalls so zu verdünnen, dass nicht mehr als 0,1 – 0,2 % Brandsporen (10-20.000 Sporen/Korn) in der gesamten Ration vorkommen.
Von der Verfütterung an Zuchtsauen oder Zuchteber ist abzuraten, da es keine Untersuchungen zu längerfristigen Auswirkungen der Sporen auf die Tiergesundheit gibt.
Beachte: Brandsporen können über den Schweinemist womöglich die eigenen, bisher Steinbrand-freien Felder infizieren!
1. KEIN Getreide verfüttern, das schon „fischelt“!
2. Bei „muffigem“ Geruch und „grauem Arm“: Hände weg von dieser Charge!
3. Bei leichtem Befall höchstens 10 % dieses Getreides in Mastschweine- und höchstens 5 % in Aufzuchtrationen.
4. KEIN Brandgetreide an Zuchtsauen oder Zuchteber verfüttern!
Hier findest du alle diese Informationen noch einmal als Info-Blatt zum Download!

