Mykotoxine im Futter: Was tun?

Bei der Verfütterung von Futtermitteln mit erhöhten Gehalten an Fusarien-Toxinen (Mykotoxinen) kommt es zu Leistungseinbußen und Fruchtbarkeitsstörungen bei den Tieren. Zu den Leittoxinen zählen Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZEA). Bei beiden wurde Richtwerte festgelegt, die nicht überschritten werden sollten. Bei DON ist ein Orientierungswert von 1 mg/kg anzustreben, wenn das Erntegut für die Schweinefütterung bestimmt ist (1,75 mg/kg gilt für Handelsware).[1]

DON (alternativ auch „Vomitoxin“) führt zu Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes wie Erbrechen oder Durchfall, zu allergischen Hautreaktionen und Beeinträchtigung des Immunsystems[2]. Ob und in welchem Umfang DON auftritt, kann durch Anbaumaßnahmen (Sortenwahl!) gemindert werden, ist aber auch stark von der Jahreswitterung abhängig.[3] Im „Mykotoxin Monitoring“[4] wurden 2025 deutliche Belastungen durch DON in NÖ und im Zentralraum von OÖ beobachtet.

Mykotoxine – Futtermittelrechtliche Situation[3]

Deoxynivalenol (DON), Zearalenon (ZEA), aber auch Ochratoxin oder Fumonisine werden mit Richtwerten geregelt[5]. Einer Richtwertüberschreitung kann mit Verdünnung mit unbelastetem oder gering belastetem Futtermittel begegnet werden. Nachfolgend findet sich eine auszugsweise Darstellung der Richtwerte für die Mykotoxine Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZEA) gemäß der genannten EU-Empfehlung:

Produkt DON ZEA
µg/kg mit 88 %T
Getreide- und Getreidenebenprodukte 8.000 2.000
Maisnebenprodukte 12.000 3.000
Mischfutter für Ferkel und Jungsauen 900 100
Mischfutter für Sauen und Mastschweine 900 250

Woran Mykotoxine erkennen?

Fusarien-Toxine lassen sich mit freiem Auge nicht erkennen. Auch am Geruch lassen sich Belastungen nicht feststellen. Bei mit Kolbenfäule befallenen Maisbeständen kann man hohe Mykotoxin-Gehalte zwar erwarten, feststellen lassen sie sich aber nur mittels Labor-Untersuchungen.

Wenn Mykotoxine vermutet werden, zum Beispiel weil das Jahr schwierig war oder weil die Futteraufnahme seit der neuen Mischung deutlich zurückgegangen ist, sind also Analysen unumgänglich. Wir empfehlen dafür das Futtermittellabor Rosenau der LK NÖ, das verschieden Methoden zur DON- und ZEA-Bestimmung sowohl in Einzelfuttermitteln wie auch für Futtermischungen anbietet.

Was tun bei hohen Mykotoxin-Gehalten?

Wurden bei der Futtermitteluntersuchung erhöhte Gehalte an DON festgestellt, ist die weitere Vorgehensweise unterschiedlich je nach Ausgangslage. Sind einzelne Futtermittel betroffen und noch unvermischt im Lager, so empfehlen wir mehrere scharfe Reinigungen (=mehrmaliges Umziehen und Putzen des Getreides). Das „Verdünnen“ mit unbelastetem Zukaufsfutter ist ebenfalls empfehlenswert, oftmals aber schwierig oder unmöglich.

Zu den allgemeinen Maßnahmen bei einer Mykotoxinbelastung gehören außerdem die Stärkung der Darmbarriere, um das Eindringen der Mykotoxine in die Blutbahn zu erschweren oder gar zu verhindern. In konventionellen Beiträgen werden dazu Lebendhefen empfohlen, die im Biobetrieb je nach GVO-Status fraglich sind.

Für Biobetriebe wäre der Einsatz von Leinsamen-Schrot (Schleimbildung!) womöglich hilfreich. Aber auch fermentierte Kräuterextrakte (FKE) tun der Verdauung gut und könnten Belastungen der Verdauung mindern helfen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, mithilfe von Antioxidantien wie Vitaminen, Selen oder sekundären Pflanzenstoffen den antioxidativen Status des Schweins zu stabilisieren.[6]

Mykotoxin-Binder als „Airbag“

Als „letzter Ausweg“ bieten sich so genannte „Mykotoxin-Binder“ an. Dabei handelt es sich meistens um Futtermittelzusatzstoffe mit großen Oberflächen (z.B. Aktivkohle und/oder Bentonite), die die Pilzgifte aufnehmen und durch den Darm durchleiten sollen.

Hiervon darf man sich aber keine Wunder erwarten, denn diese Stoffe wirken – wenn überhaupt – unspezifisch. Gegen DON wirken Bentonite beispielsweise kaum, Aktivkohle ist hier offenbar besser.[7] Ein namhafter Hersteller von Mineral- und Wirkstoffen bietet eine Kombination verschiedener Wirkstoffe an, ein anderer hat bio-zertifizierte Aktivkohle im Programm.

Hier findest du die Informationen dieses Artikels in einfacher Sprache zum Download. Genauere Informationen zu Mykotoxinen im Futter kannst du im Bio Austria-Beratungsblatt nachlesen. Beraterin Sonja Wlcek hilft dir bei Fragen ebenfalls weiter.

 

[1] Fusariumbefall und Toxingehalte (DON) bei Körnermais in Bayern, abgerufen am 18.12.2025
[2] Wikipedia, abgerufen am 17.12.2025
[3] Futtermittelsicherheit der AGES, abgerufen am 17.12.25
[4] PS-Warndienst der LK, Mykotoxin-Monitoring 2025, abgerufen am 17.12.25
[5] EU-Empfehlung 2006/576/EG
[6] Mykotoxine in Futter und Stroh: Die unterschätzte Gefahr für Schweine, abgerufen am 17.12.2025
[7] Kihal A., M. Rodríguez-Prado, and S. Calsamiglia: The efficacy of mycotoxin binders to control mycotoxins in feeds and the potential risk of interactions with nutrient: a review. In: Journal of Animal Science, 2022, 100, 1–14. Abgerufen am 17.12.2025

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